Kikeriki

 

Kikeriki – Hähnchen

Wenn wir zeichnen, gibt es so viele unterschiedliche Themen und jedes Thema hat seinen eigenen Reiz und seine ganz eigene Herausforderung…  Bei den Hähnchen, Hähnen oder Hühnern ist es die Form als solche. Der Hintergrund spielt keine so große Rolle. Es bleibt bei der eigentlichen Figur, den Details, der Farbgebung und den Schwerpunkten.

Denn daraus formt sich der Charakter unseres Protagonisten und den können wir durch all unsere Tools in die eine oder andere Richtung schieben.

Und damit sind wir auch bereits bei der eigentlichen Zielsetzung um die es geht. Wir wollen die besondere Henne oder den besonderen Hahn mit dem speziellen Charakter in einem bestimmten Moment. Es geht also auch inhaltlich fast ausschließlich den Protagonisten selbst. Wie realistisch unsere Hauptperson ist, ist das eine. Wichtiger ist, was sie vermittelt.

 

Wieviel Realität ?

 

Da es also viel mehr um den „Character“ geht und um das, was die Figur ausstrahlt, bieten sich natürlich ganz unterschiedliche Realitätsformen an.

Selbstverständlich könnte man die Figur extrem realistisch zeichnen, trotzdem ist die Figur in ihrer Ausstrahlung wichtig. Also könnte man auch sehr frei, fern der gegebenen Realität arbeiten, überzogen, frech, wild und vielleicht nur an wenigen wichtigen Stellen etwas realistischer. Oder man lässt selbst die realistischeren Stellen weg. Bleiben muss der Eindruck oder Ausdruck dieser Figur.

Und dabei solltest Du immer eines im Auge haben: Arbeitest Du frech und rotzig, wirkt die Figur auch gleich etwas frecher. Bei einer emotionalen Figur würde sie entsprechend intensiver wirken.

Hier haben wir also mal wieder ein schönes Beispiel dafür, dass Realität auf ganz verschiedenen Ebenen stattfinden kann.

Du alleine bestimmst die Ausprägung der Realität Deiner Zeichnung. Entscheide Dich frei. Es gibt kein richtig oder falsch.

 

Die Übung

 

Es gibt eine Übungsabfolge. Wie viele Zeichnungen Du dann machst, das muss natürlich absolut Dir überlassen bleiben. Und dabei ist uns allen unweigerlich klar, eine Zeichnung trainiert bei weitem nicht so viel wie 10 Zeichnungen.

Aber jetzt erstmal viel Spaß bei der ersten Zeichnung. Fang gerne mit DinA4 an und such Dir das Foto aus, welches Dir am meisten gefällt.

 

Schritt 1 – Die rote Skizze

Starte mit einem gut gespitzten knallroten Farbstift und mach eine formatfüllende Skizze von Deiner „Hauptperson“. Dabei denke unbedingt an die übliche Virtuosität von Linie.

Wir brauchen schnelle und langsame Linien, dicke und dünne, kraftvolle und zarte.

 

Schritt 2 – Die roten Flächen

Wir bleiben bei dem roten Farbstift. In der Regel gibt es genügend Bereiche, auf die Du Dich wunderbar beziehen kannst, aber beachte dabei drei Punkte

  • Arbeite kraftvoll und intensiv
  • Die realistischen roten Bereiche schraffiere gerne auch mit diesem Farbstift, aber bitte niemals zu 100%, sondern maximal zu 70%, gerne auch mal etwas kraftvoller.
  • Setze den roten Farbstift als Schraffur nicht nur da ein, wo sich in der Realität die Farbe ROT befindet.

Schritt 3 – Die Collage

Nun geht es um Collage, entweder in Form von Tesakrepp oder in Form von farbigen, bedruckten und eigenwilligen Papierstücken, die mit Tesakrepp befestigt, sprich derb angeklebt werden.

Denke daran, Du kannst damit ansatzweise, natürlich etwas experimentell, die Realität bedienen.

Du kannst die Collage rein kompositorisch einsetzen und Du kannst Dich mit der Collage auch sehr bewusst gegen die Realität wenden, sofern Du sie nicht bedienen möchtest.

 

Schritt 4 – Die Bleistiftzeichnung

Erst jetzt kommt eine Bleistiftzeichnung, primär impulsiv linear, die Realität bedienend, gekoppelt mit leichten Schraffuren. Die Zeichnung soll sich an der vorgegebenen Realität orientieren.

Dabei bedenke folgenden Punkt:

Setzt Du die Zeichnung über das ganze Blatt, vereinheitlichst Du die Zeichnung kompositorisch etwas. Bleibt die Bleistiftzeichnung nur in einem Bereich des Blattes, beeinflusst Du damit die Komposition sehr stark.

Es ist immer alles erlaubt. Deine Entscheidung richtet sich einzig nach Deiner persönlichen Vorstellung von Deiner Zeichnung.

 

Schritt 5 – Die Schwärze

Nun kommt die altbekannte und geliebte Schwärze mit dem Bleistift, da wo sie auf der Vorlage stattfindet oder da, wo Du sie kompositorisch stattfinden lassen möchtest.

Am besten arbeitest Du mit einem weichen Bleistift, richtig massiv und so dunkel wie möglich, sowohl etwas größere Flächen als auch dunkle Details.

 

Schritt 6 – Die Collage II

Wiederhole Schritt 3.

 

Schritt 7 – Der zweite Farbstift

Neben dem Rot brauchen wir noch einen zweiten Farbstift, eine Farbe, die Deines Erachtens ästhetisch zum Rot passt. Setze Sie in erster Linie bezogen auf die Platzierung kompositorisch ein, auf Wunsch natürlich mit realistischen Bezügen. Am Ende muss man sich immer überlegen, was das Bild in einem bestimmten Zustand benötigt, eher noch etwas Realität, etwas mehr Ordnung, mehr Chaos usw. Dann fällt auch der Einsatz des Materials in jedem Schritt gleich sehr viel leichter.

 

Schritt 8 – Der Schwerpunkt

Letztendlich brauchen wir jetzt noch einen Schwerpunkt. Klassischerweise wäre das die genauere Ausarbeitung eines Teilbereichs mit dem Bleistift, mehr Schraffur, mehr Detail, mehr Lebendigkeit, mehr Dichte. Wenn Dir aber ein komplett anderer, ggf. eher unkonventioneller Schwerpunkt einfällt, wäre es vielleicht auch für Dich ein äußerst spannender und neuer Weg.

 

Schritt 9 – Der freie Schritt

Zum Schluss mach einfach das, von dem Du glaubst, dass es Deine Zeichnung noch braucht. Be free!

 

 

 

Die Reflektion

 

Lass uns noch einmal zurückschauen auf das, was Du gezeichnet hast. Mal schauen, ob es noch einige überraschende Erkenntnisse gibt.

 

  1. Wie würdest Du die Realität Deiner Zeichnung beurteilen? Welche der Arbeitsschritte bedienen eher die Realität und welche die Freiheit, welche bringen Lebendigkeit und welche etwas Freies, Überraschendes?
  2. Falls Du mehrere Zeichnungen gemacht hast, entscheide Dich, welche der Zeichnungen die beste ist und warum.
  3. Könntest Du Dir vorstellen, eines der Motive ganz groß zu zeichnen? Was wäre grundlegend anders?

Vielen Dank für Deine Teilnahme und Deinen Einsatz.

Ich würde mich sehr freuen, sofern Dir die Aufgaben gefallen, wenn Du etwas Werbung für diese Zeichendiktate machtest.

 

Desweiteren schaue gerne mal auf meiner Seminarseite www.stephangeislerseminare.com vorbei. Ab Januar 2022 gibt es ein regelmäßiges Zeichenworkout per Zoom. Das ist eine schöne Ergänzung oder Weiterführung Deines zeichnerischen Trainings.

 

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YouTube – PROCREATE ARTFACTORY

 

Dir eine wunderbare Zeit und bis zu einem nächsten Mal – Stephan