Die Pinselsammlung

Lets be free today – kind of

Inzwischen haben wir schon einige Funktionen kennengelernt und das, wonach es die Meisten sehnt, haben wir bewusst ausgelassen, nämlich das Material, diese unendlich vielen Möglichkeiten, die wir haben, über Zeichnung, Malerei, Airbrusch, Kalligraphie, Muster, Strukturen und und und … Procreate bietet einen unersättlichen Pool an Möglichkeiten. Und wenn wir das nochmal in Verbindung bringen mit diesen unendlich vielen Farben, dann werden wir uns dieser vielen vielen Möglichkeiten erst so richtig bewusst.

Natürlich werden wir in diesem Rahmen nicht jedes einzelne Material durchgehen können, dazu sind es zu viele. Und es macht ja gerade Spaß, sie auszuprobieren und zu entdecken.

Hinzu kommt, dass verschiedene Versionen von Procreate unterwegs sind. Mein Programm habe ich vor einigen Wochen aktualisiert und ich muss sagen, vorher fand ich die Pinselsammlung noch vielfältiger. Wenn Du ein Material, welches in vorgebe, mal nicht direkt findest, schaue mal unter anderen Oberbegriffen der Pinselsammlung nach.

Aber starten wir mit einigen grundsätzlichen Sachen.

Neue Funktionen

  1. Die Pinselsammlung und Grundsätzliches

Oben rechts hast Du einige Symbole. Wir haben schon mit der Farbauswahl ganz rechts gearbeitet, wir waren letztes Mal kurz auf das Ebenensymbol links daneben, um die Hintergrundfarbe zu bestimmen. Und das linke Symbol in dieser Gruppe ist die Pinselsammlung. Auch das Symbol kennst Du eigentlich schon, da Du auch vorher bereits den 6B Bleistift aktivieren musstest.

Starten wir mit einer grundsätzlichen Erläuterung der Funktionsweise. Wenn Du auf die Pinselsammlung klickst, findest Du in der linken Spalte Oberbegriffe, wie „Malerei“, „Airbrush“, „Kalligraphie“, „Texturen“ usw. Klickst Du auf einen dieser Oberbegriffe findest Du rechts daneben differenziertere Unterpunkte. So findest Du bei „Malen“ beispielsweise den Rundpinsel, den Flachpinsel, aber auch einen trockenen Pinsel usw. Hier suchst Du nun ganz konkret das Material aus, mit dem Du arbeiten möchtest.

Auch hier gilt, immer wenn ein Material blau unterlegt ist, ist es aktiviert. Wenn Du dann noch einmal auf das Symbol klickst, öffnet sich ein weiteres Fenster, mit dem Du dieses Material ganz differenziert einstellen kannst. Das ignoriere in diesem Moment IMMER. Hier kann man unwissentlich so viel verstellen, das wäre im Moment zu verwirrend.

Also wenn Du hier versehentlich landest, klicke auf fertig bzw. auf den Pfeil zurück und Du bist wieder bei Deinem aktivierten Material. Das wird wahrscheinlich hin und wieder passieren, weil der Reflex da ist, nochmal darauf zu klicken, um dann zeichnen oder malen zu können. Stattdessen klicke einfach auf das Papier, die Pinselsammlung verschwindet und Du kannst loslegen.

Wenn Du ein Material bestimmt hast, bzw. auch vorher, kannst Du auch, wie gehabt, Deine Farbe aussuchen, mit der Du arbeiten möchtest. (Der Farbpunkt ganz oben rechts)

Öffne Dir eine DinA4 Seite und nimm Dir ein Stündchen Zeit, nur um die verschiedenen Materialien auszuprobieren und Dich überraschen zu lassen.

Beim Ausprobieren vergiss nicht, dass Du auch die Dicke des Materials immer wieder verändern kannst. Beim Bleistift hat diese Funktion nicht ganz so viel ausgemacht, aber bei den Texturen und Pinseln sind die Unterschiede extrem.

  1. Farbwahl, Dicke, Transparenz

Bei all den Möglichkeiten denke an die Farbwahl, an die unterschiedliche Stärke des Materials und auch an die Möglichkeit ein Material sehr viel transparenter einzusetzen. Nimm Dir beispielsweise den Flachpinsel unter dem Stichwort „Malen“, den Stärkeregler stelle nach ganz oben, um den breitesten Pinsel zu bekommen, der möglich ist, setze 1-2 Pinselstriche, suche eine neue Farbe aus und nun stelle den unteren Schiebregler auf ca. die Mitte und setze ein bis zwei neue Pinselstriche darüber. Die Farbe ist transparent.

Ist der untere Schiebregler oben, ist die Farbe deckend. Um so weiter Du ihn nach unten ziehst, um so transparenter wird die Farbe …. Nochmal mehr Möglichkeiten!

Der obere Schiebregler bestimmt also die Dicke Deines Materials, der untere die Transparenz der verwendeten Farbe.

3 Folgen Freiheit

So nun hast Du etwas in die Pinselsammlung hineingeschnuppert, Du hast die Materialien in ihrer Stärke immer wieder variiert, das Material deckend und transparenter aufgetragen und die Farben immer wieder geändert. Diese Grundfunktionen haben sich also eingeprägt und Du hast zumindest eine Vorstellung von Deinen Möglichkeiten an verschiedensten Materialien und Werkzeugen.

Um das nun auch etwas mehr zu üben hinsichtlich künstlerischer Gestaltung habe ich drei Schrittfolgen ausgetüftelt. Du setzt in jeder Folge alle Schritte nach und nach auf einen DinA4 Bogen, einen über den anderen.

Es gibt in jedem Schritt klare Vorgaben, aber auch viele Freiheiten. Alles was nicht explizit vorgegeben ist, kannst Du ganz frei einsetzen.

Das Ziel sind drei wie auch immer geartete freie Arbeiten. Aber entscheide Dich immer nur Schritt für Schritt, was Du machst. Versuche kein Gesamtziel anzusteuern. Entweder es wird etwas oder nicht. Wobei „etwas werden“ hier ganz klar dem subjektiven Gefallen unterworfen ist.

Und nun wünsche ich Dir viel Spaß und viele freie Gedanken. Es ist alles erlaubt und im Zweifelsfall gibt es ja auch immer noch die Reset-Taste.

Folge 1

Schritt 1 Eine kräftige Farbe

Trage mit einem Rundpinsel (gefühlt 2 cm Durchmesser) und einer kräftigen Farbe Deiner Wahl beliebige Spuren auf. Bearbeite ca. 50% Deines Blattes.

Schritt 2 Eine dezente Farbe

Wechsle zum Flachpinsel und einer dezenten Farbe Deiner Wahl. Der Flachpinsel darf sehr breit sein. Bearbeite ca. 30% Deines Blattes.

Schritt 3 Schwarze freie Linien

Arbeite mit Deinem gewohnten 6B Bleistift und hinterlasse lebhafte und intensive schwarze Linien.

Schritt 4 Der schwarze Kohleblock

Bearbeite mit einem schwarzen Zeichenkohleblock ca. 30% Deines Blattes.

Schritt 5 Helle Spritzer

Unter der Technik „Sprühen“ findest Du den Unterpunkt „Spritzer“. Hinterlasse helle Spritzer auf Deinem Bild.

Schritt 6 Das Softpastell

Wähle eine Farbe Deiner Wahl. Arbeite mit dem Softpastell. Nutze unbedingt verschiedene Breiten und bearbeite maximal 30% Deines Blattes.

Schritt 7 Etwas Freiheit zum Schluss

Wähle ein Material und eine Farbe Deiner Wahl, um Dein Bild abzuschließen.

Schritt 8 Hintergrund

Suche Dir eine Hintergrundfarbe aus. Das bringt natürlich nur an den Stellen etwas, wo noch das Weiß des Papieres zu sehen ist. Ggf veränderst Du mit diesem Schritt also auch gar nichts, aber einen Versuch ist es immer wert.

Folge I1

Schritt 1 Der breite Rundpinsel

Bearbeite mit einem sehr breiten Rundpinsel in einer Farbe Deiner Wahl ca. 80% des Blattes.

Schritt 2 Der breite Flachpinsel

Arbeite mit einem breiten Flachpinsel und einer transparenten (!!!) Farbe Deiner Wahl ca. 60-80% Deines Blattes.

Schritt 3 Acryl

Arbeite mit Acrylfarbe in einer Stärke und einer Farbe Deiner Wahl. Arbeite aber unbedingt transparent und bearbeite nicht mehr als 50% Deines Blattes

Schritt 4 Kalligrafische Streifen

Unter dem Begriff „Kalligrafie“ findest Du eine Feder, die mit „Streifen“ benannt ist. Arbeite mit dieser Feder und hinterlasse einfach lineare Spuren. Achte darauf, dass Du unterschiedlich stark aufdrückst. Die Farbe bestimmst Du!

Schritt 5 Airbrush

Wechsle zum „Airbrush“ (schwach deckend) und arbeite in einer Farbe Deiner Wahl sowohl flächig als auch linear. Du kannst hier sehr zarte Spuren hinterlassen, wenn Du den Stift auch nur sehr zart aufdrückst. Versuche in diesem Schritt etwas feiner zu sein.

Schritt 6 Der trockene Pinsel

Arbeite mit dem trockenen Pinsel und hinterlasse ein paar helle Spuren auf maximal 30% Deines Blattes in einer hellen Farbe Deiner Wahl.

Schritt 7 Und nochmal Freiheit

Und auch in dieser Folge schließen wir mit einem gänzlich freien Schritt. Du kannst machen, was immer Du möchtest, um die Arbeit in einer Dir bekannten ästhetischen Art und Weise abzuschließen.

Schritt 8 Hintergrund

Der Hintergrund ist wieder optional.

Folge 1II

Schritt 1 Eine Textur

Starte mit einer Textur Deiner Wahl und in einer Farbe Deiner Wahl und bearbeite Dein Blatt zu 80% (Achte auch hier auf die Dicke Deines Tools!!!)

Schritt 2 Noch eine Textur

Wir machen mit einer anderen Textur Deiner Wahl weiter. Auch hier obliegt die Farbwahl Dir. Bearbeite ca. 40-50% des Blattes.

Schritt 3 Einmal Industrial

Suche Dir einen Unterpunkt bei „Industrial“ aus und bearbeite in Deiner Farbe ca. 30% des Bildes.

Schritt 4 Etwas Natur

Schritt 4 ist wie 3, nur dieses Mal benötigen wir ein Tool von „Natur“.

Schritt 5 Wasser

Und jetzt von „Wasser“ – alles andere bleibt wieder.

Schritt 6 Elemente

Wie gehabt – jetzt brauchen wir einen Unterpunkt von „Elemente“.

Schritt 7 Abstrakt

Jetzt entsprechend von „Abstrakt“ – immer wieder 30%

Schritt 8 Textur

Zum Abschluss brauchen wir noch einmal etwas Textur Deiner Wahl und die Hintergrundfarbe ist auch hier optional

Die Reflektionsfragen

In dieser Lektion hast Du einen guten Eindruck bekommen, wie unendlich viele Möglichkeiten dieses Programm bietet. Umso wichtiger ist es, sich immer wieder zu beschränken, um sich nicht gnadenlos zu überfordern. Die drei Folgen kannst Du in Varianten immer wieder durchgehen, Du kannst einzelne Punkte auch mal austauschen. Immer wichtiger wird dann die Frage nach der künstlerischen Qualität, weil Du Deine Instrumente immer mehr beherrscht und darüber kaum noch nachdenken musst.

Solche Folgen mit dem Ziel einer freien künstlerischen Darstellung solltest Du wöchentlich machen, um deine Materialien immer mehr kennenzulernen. Aber lass uns nochmal einen Blick auf diese drei Folgen werfen.

  1. Gibt es für Dich einen maßgeblichen Unterschied zum Beispiel zwischen der ersten und dritten Folge?

  2. Wie stark haben sich künstlerische Kriterien in Deine Arbeit mit eingeschlichen?

  3. Welche der drei Arbeiten findest Du am besten? Kannst Du das begründen?

Langsam wird es komplexer und trotzdem gibt es noch so unendlich viel zu entdecken. Ich bin selbst ganz gespannt, ob die 20 Lektionen überhaupt ausreichen werden.

Freue Dich schon jetzt auf den nächsten Montag, wenn Dich die nächste PROCREATE-Lektion erreichen wird. – Herzliche Grüße – Stephan