Fooooootooooooooos

Das Thema und Die Möglichkeiten

In dieser Woche erweitern wir unsere Möglichkeiten noch einmal um einen ganz wichtigen Bereich. Wir werden Fotos mit in unsere künstlerische Arbeit integrieren. Damit wäre diese Technik, bezögen wir es auf die klassischen Möglichkeiten, an die Collage angelehnt, die Integration von Fotografien und fotografischen Elementen oder anderen Materialien in eine Zeichnung oder in die Malerei. Genau das geht hier natürlich auch, aber so ein Programm wie Procreate bietet natürlich unendlich mehr Variations- und Anwendungsmöglichkeiten. Deshalb fangen wir in dieser Woche sehr grundlegend an. Dazu gibt es einige neue Funktionen.

Die Neuen Funktionen

Welche sind das? Am besten probierst Du beim Durchlesen der neuen Funktionen am iPad alles direkt aus. So verstehst Du es am besten.

Fotos Machen

Der erste Schritt hat mit Procreate erst einmal gar nichts zu tun. Jedes iPad, sowie jedes Handy, hat eine integrierte Kamera. Mach mit Deinem iPad ein Foto irgendeiner Situation im direkten Umfeld. Gehe danach in Deine Fotodatei und rufe dieses Foto auf.

Nun kannst Du auf „Bearbeiten“ klicken (manchmal findest Du stattdessen ein Symbol, bestehend aus drei parallelen Linien, auf denen sich jeweils ein kleiner Punkt befindet).

Danach öffnet sich der schwarz unterlegte Bearbeitungsmodus. Je nach Aktualität Deines Programms gibt es nun leichte Unterschiede in der Bedienbarkeit, aber das Prinzip bleibt immer das gleiche. Ggf. müsstest Du Dich hier etwas mehr durchprobieren. Manchmal macht „Learning by Doing“ einfach mehr Sinn.

Du hast drei Hauptkathegorien

  • Einen Drehschalter für das stufenlose Verstellen verschiedener Grundcharakteristika

  • Drei Punkte, die übereinander gelagert sind als Symbol für verschiedene bereits vorgegebene Fassungen des Fotos, wie z.B. strahlender, wärmer, kälter oder dramatischer und schließlich gibt es noch

  • Ein Viereck bestehend aus zwei Winkel als Sinnbild für die Arbeit mit dem Format selbst.

Fangen wir mit dem letzteren Symbol an. Klickst Du auf dieses Viereck, findest Du ein weiteres Symbol, auf das Du klicken kannst, um das Bild in einem 90°-Turnus zu drehen. Ein weiteres Symbol lässt sich das Foto an einer vertikalen Mittelachse spiegeln. Desweiteren ist das Foto in diesem Modus mit einem weißen Rahmen und verstärkten weißen Ecken eingefasst. Wenn Du die Ecken nach innen schiebst, oder auch die Kanten, kannst Du den Ausschnitt des Bildes verändern.

Klickst Du auf das Symbol mit den drei Kreisen, so kannst Du zwischen bereits vorgefertigten verschiedenen Fassungen des Fotos aus auswählen, wie z.B. s/w, dramatischer, wärmer, kälter usw. Klick Dich hier einfach mal durch, um die verschiedenen Möglichkeiten zu entdecken.

Und dann gibt es da noch einen kleinen Drehknopf. Den schätze ich am meisten. Klickst Du auf ebendiesen, kannst Du auf weitere Symbole klicken, wie „Belichtung“, „Brillanz“, „Glanzlichter“, „Schatten“, „Kontrast“, „Helligkeit“, „Schwarzpunkt“, „Sättigung“, „Lebendigkeit“, „Wärme“, „Farbton“ usw usw. Klickst Du auf eines dieser Symbol und bewegst anschließend die danebenliegende Skala, kannst Du die aufgelisteten Eigenschaften entsprechend verändern. Beispiel: Klickst Du das Symbol für „Kontrast“ und bewegst den Strich auf der Skala nach oben bzw. die Skala selbst nach unten, bekommt das Bild einen viel härteren Kontrast. Bewegst Du die Skala in die andere Richtung, wird es sehr viel weicher.

In diesem Bereich der Fotobearbeitung musst Du schlichtweg viel ausprobieren, um Erfahrungswerte zu sammeln. Auch wenn dieser Bereich nicht zu Procreate gehört, sollte man ihn aber trotzdem intensiv nutzen, wenn man bei Procreate auch mit Fotos arbeiten möchte.

Fotos Importieren

Wenn Du jetzt wieder auf Procreate gehst und Dir eine Seite öffnest, findest Du links oben neben dem Wort „Galerie“ ein Symbol „Schraubenschlüssel“. Klickst Du hier drauf, öffnet sich ein neues Menu, bzw. eine horizontale Menuleiste mit weiteren Untermenüs. Klicke auf das ganz linke Symbol „Hinzufügen“ und dann wählst Du im Untermenu „Foto einfügen“. Jetzt wirst Du mit Deinem Fotoprogramm verknüpft. Du klickst auf „Zuletzt“ oder „letzte Fotos“, dann öffnet sich Deine Fotodatei und Du klickst auf das Foto, welches Du einfügen möchtest!

Schon bist Du wieder bei Procreate auf Deinem Blatt, auf dem sich jetzt ebendieses Foto in einem aktivierten Zustand befindet.

Klickst Du jetzt auf unser „Markieren-Symbol“ oben links (Lektion 2) – Du kennst es schon aus den vorherigen Lektionen! – ist die Aktivierung aufgehoben. Klickst Du noch einmal darauf, ist es wieder aktiviert.

Fotos Vergrößern und Verkleinern

Im aktivierten Zustand kannst Du das Foto vergrößern oder verkleinern. Achte darauf, dass im unteren Menu die Funktion „Gleichmäßig“ aktiviert ist. Nun kannst Du irgendeinen der blauen Punkte des Bildes verschieben, um das Bild zu vergrößern oder zu verkleinern.

Dass die Proportion Deines Fotos mit der Seitenproportion Deines Blattes übereinstimmt, ist eher unwahrscheinlich. Deshalb würde es jetzt noch Sinn machen, Deine Papiergröße der Fotogröße anzupassen.

Papiergröße anpassen

Zu diesem Zweck klickst Du oben links wieder auf den Schraubenschlüssel, klickst dann im horizontalen Menu auf Leinwand (Das zweite Symbol von links) und dann auf „Beschneiden und Größe ändern“.

Nun hast Du eine ähnliche Situation, wie vorher schon im Bearbeitungsmodus Deines Fotoprogramms. Du kannst mit Deinem Stift die Außenkanten des Papiers verschieben und so das Papier im Format verkleinern bzw. auch ganz exakt auf das Format des Fotos bringen.

Hast Du Deine Ränder entsprechend verschoben bzw. exakt dem Foto angepasst, klickst Du oben rechts auf „fertig“ und Dein Bogen Papier (vorher DinA4) hat nun exakt das Maß Deines Fotos.

Farbe erkennen und definieren

Die letzte Funktion, die ich im Vorfeld noch erläutern möchte, werden wir in der heutigen Übung ständig brauchen. Auf der linken Seite befindet sich zwischen den beiden Schiebreglern für „Transparenz der Farbe“ und „Dicke des Werkzeugs“ noch ein leeres Quadrat mit abgerundeten Ecken.

Klickst Du auf dieses Symbol, erscheint ein Kreisring, der oben und unten jeweils eine andere Farbe hat. Verschiebst Du diesen Kreisring über Dein Bild, bleibt die untere Farbe gleich und die obere Farbe verändert sich.

Der untere Kreisring beinhaltet immer die letzte Farbe, die Du verwendet hast. Der obere Kreisring beinhaltet jeweils exakt die Farbe, auf der das kleine Fadenkreuz in der Mitte des Kreises liegt. Schiebe ich dieses Fadenkreuz auf eine rote Stelle, erscheint die obere Hälfte des Kreises exakt in diesem Rot. Schiebe ich dieses Fadenkreuz auf ein helles Senfgelb, verändert sich die obere Hälfte des Farbkreises entsprechend. Und diese obere Farbe ist jeweils die Farbe, die Du für den nächsten Schritt aktiviert hast.

Du kannst also einmal wie bislang die Farbe auswählen über das Symbol, über den Farbpunkt oben rechts. Und wenn Du eine Farbe verwenden möchtest, die Du schon mal verwendet hast bzw. die sich an einer bestimmten Stelle in einem Foto befindet, klickst Du auf das linke Viereck zwischen den Schiebreglern, bewegst die Mitte des zweigeteilten Farbrings genau auf die Farbe, die Du verwenden möchtest und los geht’s. Die Farbe die Du aktivierst, befindet sich immer in der oberen Hälfte dieses Farbrings.

Die Übung

Die heutige Übung scheint erstmal sehr kurz zu sein. Allerdings sind die letzten Schritte sehr offen und werden sicherlich auch etwas dauern. Womöglich ist es sogar eine der sehr viel längeren Übungen. Aber generell gilt ja sowieso: Hetzt nicht durch die Procreate Übungen, sondern nehmt Euch alle Zeit, die es dauert und noch mehr. Denn gerade in diesem Medium müssen wir verstehen, wie wir am Ende die unverwechselbare Qualität schaffen, die wir in den klassischen Techniken längst haben.

1 Das Selfie machen

Der erste Schritt ist in dieser Zeit des sich immer weiterverbreitenden Narzismus ein sehr konventioneller. Du brauchst ein Selfie! Da es bereits Millionen von Selfies im Netz und auf Millionen von Handies gibt, brauchst Du ein ganz besonderes Selfie, um Dich nicht in der langen Schlange von Austauschbarkeit und visueller Inflation anzustellen. Das Selfie soll also nicht nur ein Klick sein, sondern Deine künstlerische Grundlage. Und wir brauchen tatsächlich auch nur den Kopf oder das Gesicht oder einen Teil desselben …. Be creative! Be wonderful!

Dieses Selfie machst Du am besten, wie in den Vorübungen erläutert, mit der Kamera Deines iPads, nicht mit Procreate selbst!!!

2 Das Selfie bearbeiten

Bevor es überhaupt zu Procreate geht, solltest Du Dein Foto in Deinem Fotoprogramm bearbeiten, nach Herzenslust und künstlerisch, aber das Ergebnis sollte schon die WIEDERGABE VON REALITÄT sein und keine extreme Verfremdung von Farben, oder womöglich der Transfer in eine abstrakte realistische Struktur.

3 Procreate – eine neue Seite

Schritt 3 ist fast nicht nennenswert. Du benötigst für Deine Arbeit bei Procreate eine neue Seite. Heute bleiben wir noch einmal klassischerweise bei DinA4.

4 Das Selfie importieren

Nun importiere Dein Selfie auf Dein Blatt, wie in der Vorübung bereits einmal ausgeführt. Hier noch einmal die Stichpunkte:

  • – Schraubenschlüssel

  • – Hinzufügen

  • – Foto einfügen

  • – Alle Fotos

  • – Auf das Selfie klicken

5 Das Selfie vergrößern oder verkleinern

Nun kannst Du Dein markiertes Foto mit Daumen und Zeigefinder so vergrößern, dass es das Blatt besser ausnutzt. (Siehe Vorübung)

6 Die Leinwand“ anpassen

Nun schneide Dein Papier so zurecht, dass es mit der Größe des Fotos übereinstimmt. (siehe Vorübung)

Auch hier gebe ich Dir noch einmal die Schritte:

– Schraubenschlüssel

– Leinwand

– Beschneiden und Größe ändern

– Die markierten Papierränder zum Foto schieben

– Wenn es passt auf „fertig“ klicken

7 Die differenzierten Dunkelheiten

Zuerst benötigen wir eine neue Ebene!!!

Nun arbeiten wir mit unserem geliebten 6B Bleistift, wählen eine dunkle Farbe und zeichnen und schraffieren alle Dunkelheiten des Fotos, also deines Gesichtes. Wir arbeiten also quasi auf dem Foto!!!!! Aber auf einer neuen Ebene!!!!!

Wichtig ist, dass Du Deine zeichnerische Impulsivität, Deine Vorliebe für Akzente, Deine Sinnlichkeit in ganz zarten und fragilen Linien und die hüpfenden Spuren Deiner Lebensfreude unbedingt mit in deine Zeichnung hineinnimmst. Es kann in diesem Schritt nicht darum gehen, das Foto eins zu eins abzumalen. Das machen alle, die nicht mehr können. Du hast aber bereits in Deiner künstlerischen Laufbahn verstanden, dass das Ziel die eigene künstlerische Sprache sein muss.

Probiere Dich aus, arbeite in Deiner zeichnerischen Sprache und schaffe trotzdem die vorgegebene Realität. Es gibt ja auch immer noch die „Rückgängig“-Taste.

8 Schritt 8 und alle offenen Folgeschritte

Das was Du jetzt mit der Dunkelheit bereits gemacht hast, kannst Du mit allen anderen Farben im Gesicht auch machen. Dazu benötigst Du aber unbedingt den Farbsucher aus der Vorübung. Klicke auf das kleine abgerundete Quadrat links (siehe Vorübung), ziehe die Mitte des Kreises auf die Farbe, die Du haben möchtest. Der obere halbe Kreisring zeigt Dir immer genau die Farbe an, die Du gerade aktivierst. Mit Deiner ausgewählten Farbe setze einige Spuren, wechsle die Farbe und mach weiter. Versuche so oft wie möglich die Farbe bzw. die Farbnuance zu wechseln,

  • ein Gefühl für diese Arbeitsweise zu bekommen

  • um ein Gefühl für Farbdifferenzierungen bei PROCREATE zu bekommen

  • und um ein Gefühl für intensives Zeichnen zu erhalten.

Dabei achte darauf, dass

  • Du Deine Zeichnung immer wieder hochzoomst, um auch im Detail arbeiten zu können

  • Du mit deckender Farbe arbeitest

  • Du zwischendurch auch mal Fremdfarben verwendest, um die realistischen Farben ETWAS aufzumischen

  • Du zwischendurch in Deiner Ebenenliste die Ebene des Fotos immer mal wieder ausblendest (Lektion 4), um mal zu schauen, ob Deine Zeichnung auch ohne Foto funktioniert

  • Du zeitweise Deine Zeichnung auch ohne unterlegte Fotografie weiterbearbeitest, um nicht nur vom Foto abhängig zu sein, es aber dann auch wieder einblendest und weiterarbeitest.

XXX Der Abschlussschritt

Der Abschlussschritt ist ein recht einfacher. Blende das Foto in der Ebenenliste aus.

Gehe in der Ebeneliste auf den Hintergrund und wähle Dir eine Hintergrundfarbe aus. (Lektion2). Ggf. auch etwas sehr Dezentes! Wähle die Farbe sehr bewusst aus und entscheide Dich für EINE Möglichkeit!

Die Reflektionsfragen

In dieser Übung haben wir genau das gemacht, was für die meisten an diesem Gerät eher sehr verpönt ist. Trotzdem bietet es auch viele Vorteile.

  1. Was ist für Dich der wesentliche Unterschied zwischen der klassischen Zeichenmethode ein Portrait auf einen Bogen Papier zu bannen und der Übermalung des Fotos am iPad? Bei der klassischen Methode wollen wir natürlich auch zeigen, dass wir Realität zeichnen oder malen KÖNNEN. Darin begründet sich dann oft auch der Applaus des Publikums. Das fällt hier weg! Gibt es denn trotzdem einen Mehrwert? Und welcher könnte es sein?

  2. In der Malerei ergeben sich Zwischentöne fast automatisch, auch durch das Vermischen von Farben auf der Leinwand. Hier arbeiten wir primär mit einem Ton. Hast Du das Gefühl, dass Du langsam ein Gefühl für Farbe bekommst? Oder fällt es Dir noch sehr schwer? Denkst Du dieser plötzlich extrem bewusste Umgang mit Farbe hat eine Rückkopplung auf Deine Malerei auf der Leinwand?

  3. Wenn Du mit Fotos arbeitest, wie heute in der Übung, wie kannst Du es vermeiden, dass Du auf Dauer einfach nur nachmalst. Diese Gefahr birgt diese Technik ja schon!

So langsam geht es weiter und weiter und weiter! Auch für mich ist es spannend durch das Schreiben dieser Übungen eine Systematik in diese Technik zu bekommen. Montag kommt die nächste Lektion. Habe bis dahin eine schöne Zeit, sei herzlich gegrüßt – Stephan