schnippschnapp

Let’s find the right position

Der heutige Titel „SchnippSchnapp“ ist erstmal ein kleines bisschen irreführend, weil er sich auf die Technik der heutigen Lektion bezieht und nicht auf das inhaltliche Thema.

The right Position“ bezieht sich mehr auf den dieswöchigen Inhalt.

Vor einigen Wochen habe ich in mir asiatische Gliederpuppen bestellt, zwar aus billigem Vollplastik, aber äußerst gelenkig. Sie eignen sich unglaublich gut für die Momente, wo mal kein Modell im Atelier hockt, auf welches man zurückgreifen kann. Man kann diese Puppen so extrem bewegen, dass man tatsächlich realistische Positionen sehr gut nachempfinden kann. Und genau das werden wir in dieser Woche tun.

Im Anhang ggf. auch in ein oder zwei weiteren Mails findest Du einige Positionen dieser Figur als Fotografie. Eine dieser Positionen suchst Du Dir für die Übung aus und wenn Du magst, kannst Du die anderen Fotos gerne für weitere Übungen verwenden.

SchnippSchnapp

Technisch geht es in dieser Woche um die Ausschneidefunktion. Diese Funktion liebe ich und ich verwende sie tatsächlich auch sehr häufig. Aber man brauchst schon auch eine ruhige Hand und man muss sich an die Ausführung dieser Funktion etwas gewöhnen. Sie birgt so einige Tücken. Wenn man es aber einmal verstanden hat und sie ein paar Mal angewendet hat, ist diese Funktion ein Geschenk!

Sinnvollerweise erkläre ich dieses Tool anhand einer kleinen Übung, die Du am besten direkt mitmachst:

  1. Zuerst machst Du mit Deinem iPad ein Foto einer kleinen chaotischen Situation, z.B. der Blick in eine dieser vollen Schubladen, die man niemals sortiert.

  2. Das Foto kannst Du im Fotoprogramm Deines iPads gerne etwas bearbeiten, aber bitte nicht verfremden.

  3. Öffne eine neue DinA4-Seite bei Procreate und importiere dieses Foto. (Lektion7)

  4. Nun überlege Dir, welchen der Gegenstände auf Deinem Foto Du freistellen möchtest, d.h. Du schneidest alles vom Foto weg und nur dieser Gegenstand bleibt übrig.

  5. Nun klickst Du auf das Symbol links neben dem „Markieren“-Symbol. Es sieht aus, wie ein kleines „S“ oder wie eine Schlange. Dann öffnet sich unten ein neues Menu.

Achte darauf, dass „freihändig“ aktiviert ist. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit 1

In der Zeile unter „freihändig“ klickst Du ganz links auf das „-„ (minus) (Entfernen), um es zu aktivieren (blau unterlegt). Nun bewege einfach mal Deinen Stift auf Deinem Foto und Du siehst, er hinterlässt eine gestrichelte Linie und da, wo die Linie anfängt ist ein grauer Punkt. Egal, was Du ausschneiden oder freistellen möchtest, zu diesem Punkt musst Du immer wieder zurück! Nun klicke ganz rechts unten auf „Löschen“. Daraufhin verschwindet die graue Linie und Du kannst neu starten. (Diese Funktion wirst Du ungewollt immer mal wieder brauchen!)

Nun suche Dir einen ganz EINFACHEN Gegenstand auf Deinem Foto aus und versuche ihn so sauber und exakt, wie es geht, mit dieser gestrichelten Linie zu umranden.

Falls mal Linien entstehen, die Du nicht wolltest, klickst Du einfach auf „Löschen“ und fängst von Vorne wieder an! Wenn Du den Gegenstand umrandet hast, klickst Du auf den „Schraubenschlüssel“ oben links, im sich neu öffnenden Menu achtest Du darauf, dass ganz links das „+“ (Plus) auf dem Doppelquadrat aktiviert ist, und dann klickst Du auf „Ausschneiden“.

Daraufhin verschwindet das komplette Foto und nur der umrandete Gegenstand bleibt übrig.

Möglichkeit 2

Du arbeitest mit demselben Foto, nimmst Dir einen anderen, etwas komplexeren Gegenstand, den Du ausschneiden möchtest.

Du klickst wieder auf das „Ausschneiden“-Smbol. „Freihändig“ bleibt aktiviert, jetzt aktivierst Du darunter allerdings das „+“ (plus) (Hinzufügen). Wenn Du jetzt etwas umrandest und wieder auf „Ausschneiden“ klickst, verschwindet das Umrandete und nicht das Nicht-Umrandete, wie vorher!

Da man komplexere Gegenstände allerdings kaum in einem Schritt sauber ausschneiden kann, würden wir mit dieser Funktion den Hintergrund stückchenweise „wegschneiden“, so dass am Ende auch der Gegenstand stehenbleibt und der Rest weg ist.

Du fährst also mit dem Stift, wie vorher auch, an Deinem Gegenstand entlang, aber nur ein Stück, dann ziehst Du den Stift mit der Strichellinie komplett zur Seite aus dem Blatt raus, ziehst die Linie weiter außen herum in Richtung des grauen Punktes, auf Höhe des grauen Punktes ziehst Du die Strichellinie wieder auf das Blatt exakt bis zum grauen Punkt. Klickst Du wieder auf Deinen Schraubenschlüssel, dann auf „Ausschneiden“, dann verschwindet das von Dir umrandete.

So machst Du weiter, bis dass auch auf diesem Wege der Gegenstand komplett freigestellt ist. Ich persönlich nutze lieber diese zweite Variante.

Du kannst Gegenstände extrem exakt ausschneiden, indem Du zum einen übst und zum anderen nicht vergisst, dass Du auch in dieser Funktion das Blatt mit Daumen und Zeigefinger hochzoomen kannst (Lektion1). Das kannst Du auch während des Schneidens machen: Schneiden, Stift absetzen, hochzoomen oder verkleinern, weiterschneiden……

Noch ein kleiner Trick für gerade Linien: Du umrandest vorsichtig mit dem Stift Deinen Gegenstand, dann kommst Du an eine Stelle, an der Dein Gegenstand eine exakt gerade Kontur hat. Da wo diese gerade Kontur anfängt, hebst Du den Stift ab und … Obacht …. Du setzt den Stift da wieder auf, wo diese gerade Kontur zu Ende ist. Das Programm verbindet diese beiden Punkte dann mit einer absolut geraden Linie. Diese Funktion ist soooooo hilfreich!

Die Übung

Die Übung beinhaltet wieder einen klaren Ausgangspunkt und eine klare Reihenfolge, aber sicherlich genießt Du es inzwischen nach dem Durchlauf der Übungen weiter herumzuspielen, vielleicht mit demselben Thema aber unterschiedlichen Ansätzen und Schritten. Und genau so lernt man und verinnerlicht immer mehr. Viel Spaß bei der folgenden Übung!

1 Transfer des Fotos

Starte damit, die Fotos, die ich Dir mitgeschickt habe, in Dein Fotoprogramm zu übertragen. Im besten Fall kannst Du die Mails auf Deinem iPad abrufen, dann sind sie normalerweise direkt in Deinem Fotoprogramm gespeichert oder Du wirst gefragt, wo Du sie abspeichern möchtest. Bei Apple Geräten kannst Du sie per Airdrop von Gerät zu Gerät übertragen. Und wenn Du so gar keinen Weg findest, fotografiere mit dem iPad den Bildschirm deines Rechners ab oder mach am iPad direkt einen Screenshot.

Wenn Du in so einem Fall mal nicht weiterkommst, google einfach. Dort findest Du alles!

2 Foto einfügen

Der erste Schritt setzt an der Übung der letzten Woche an. Öffne ein neues Blatt Papier in DinA4. Transferiere eines der mitgeschickten Fotos auf Dein Papier (Lektion 7).

Hier nochmal die Schritte in Stichpunkten

  • Schraubenschlüssel

  • Links das „plus“ muss aktiviert sein

  • Foto einfügen

  • Alle Fotos

  • Auf das gewollte Foto klicken

3 Größe des Fotos ausrichten

Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass das Hochzoomen und Verkleinern der Arbeitsfläche mit dem Daumen und Zeigefinger ein ganz wichtiges Tool ist. Das sollte in einen selbstverständlichen Gebrauch übergehen.

Wenn das Foto auf Deinem Blatt erscheint, ist es in der üblichen Art und Weise markiert. In diesem Moment kannst Du mit Daumen und Zeigefinger Dein Foto vergrößern, möglichst so groß, dass die Figur, die Du gleich ausschneiden sollst, das Format komplett einnimmt, ohne über den Rand zu ragen.

4 Ausschneiden der Figur

Ist Dein Foto immer noch aktiviert, dann deaktiviere es, indem Du oben links auf den Markierungspfeil klickst. Und jetzt klicke auf das „Ausschneidensymbol“. Nun versuche die Figur ganz detailliert und exakt auszuschneiden. Wähle Variante 2 aus der Vorübung. Wenn Du stückchenweise arbeitest, kannst Du wesentlich genauer werden. Versuche extrem zu pingeln. Und wenn Du Dich vertust, hast Du im unteren Ausschneidemenu immer noch den Punkt „löschen“. Dann fängst Du halt noch einmal an.

5 Twins

Nun aktiviere Deine Figur wieder und plaziere sie so auf dem Blatt und verkleinere sie entsprechend, dass eine zweite Figur auch noch auf dem Blatt Platz findet.

Anschließend öffne Deine Ebenenliste und dupliziere Deine Ebene mit der Figur (Lektion5). Streiche von rechts nach links über die Ebenenbezeichnung in der Ebeneliste. Von den drei sich öffnenden Möglichkeiten klicke auf „duplizieren“. Schon hast Du die Ebene verdoppelt.

Klicke auf Dein Blatt, damit die Ebenenliste verschwindet, klicke auf „markieren“, im sich unten öffnenden Menu klicke auf „horizontal spiegeln“. Schon siehst Du beide Figuren gespiegelt, die vorher exakt übereinander gelagert waren.

Verschiebe die zweite Figur, so dass beide Figuren neben einander stehen oder sitzen. Du kannst beide Figuren nun immer wieder in Größe und Platzierung verändern, bis dass Du denkst eine optimale Blattaufteilung zu haben.

Wenn Du eine der Figuren verändern möchtest, musst du vorher die Ebene, auf der sich diese Figur befindet, in der Ebenenliste aktivieren. (Blau unterlegt). Wenn Du dann die andere Figur verändern möchtest, musst Du entsprechend in der Ebenenliste die Ebene mit dieser Figur aktivieren!!!!!!

6 Die rote Skizze der Figur

Öffne eine neue Ebene. Nimm Dir jetzt erst eine der beiden Figuren vor. Bearbeite sie mit zeichnerischen roten Linien (6B Bleistift), als würdest Du die Figur ganz klassisch zeichnen wollen. Variiere die Linien in Dicke und Tempo, setze zarte Linien genauso wie Akzente. Setze keine Schraffuren, bleibe rein bei einer linearen Ausführung.

7 Die Anprobe

Öffne wieder eine neue Ebene. Dieses Mal geht es darum, die Figur anzukleiden, Schuhe, Hose, T-Shirt, Pulli oder Hemd, Hut oder Mütze. Wähle eine der beiden Möglichkeiten:

  1. Wähle zwei Farben, die für Dich ästhetisch mit dem Rot der Skizze zu tun haben. Zeichne damit die Kleidungsstücke auf die Figur. Bleibe aber, wie auch im Schritt vorher, bei guten zeichnerischen Linien, bei knackigen Konturen und setze auch einige Schraffuren. Die Qualität der Linie ist wichtiger, als die Richtigkeit der Kleidung! Fülle die Kleidungsstücke nicht komplett aus, sondern lasse die rote Skizze an vielen Stellen durchkommen. Übrigens versuche den Kleidungsstücken viele Details zu geben, damit sie nicht so stilisiert aussehen.

  1. Gib jedem Kleidungsstück eine realistische Farbigkeit. Jedes Kleidungsstück kann aus mehreren Farben bzw. Farbnuancen bestehen. Stimme die Farben subtil aufeinander ab. Es soll in diesem Schritt nicht einfach bunt werden. Der Anspruch an die zeichnerische Qualität ist die gleiche wie bei Möglichkeit 1.

8 Die magentafarbene Skizze

Nun öffnest Du wieder eine neue Ebene und bearbeitest die zweite Figur mit Magenta in derselben Art und Weise wie die erste mit Rot.

9 Die Zeichnung mit mehreren Farben

Wieder brauchst Du eine neue Ebene. Die zweite Figur wird nicht angekleidet, sondern versuche sie zeichnerisch mit Schraffuren und Details und weiteren Konturen und Linien reizvoll umzusetzen, aber in der Art und Weise wie sie aussieht. Auch hier gilt, die zeichnerische Qualität steht immer vor der Realität. Wenn man ein Foto überzeichnet, besteht die große Gefahr, dass man viel zu nah an der Realität bleibt. Verwende in diesem Schritt einen Farbakkord aus so vielen Farben und Nuancen, wie Du möchtest. Auch hier solltest Du Buntheit vermeiden.

10 Die wilde Malerei

Noch einmal öffnest Du eine neue Ebene und schiebst sie in Deiner Ebenenliste ganz nach oben. Du arbeitest mit mehreren Farben und mehreren Pinseln und betreibst einfach freie und wilde gestische Malerei und übermalst Dein Bild komplett bis auf ca. 10 %, an denen das weiße Papier noch durchlugt. Farblich bist Du frei, die Farben sollten für Dich aber etwas mit dem bisherigen Bild zu tun haben.

11 Die wilde Ebene verschieben

Öffne Deine Ebenenliste und schiebe diese letzte Ebene ganz nach unten.

12 Background

Da an noch einigen wenigen Stellen das weiße Papier sichtbar ist, aktiviere in der Ebenenliste den Punkt „Hintergrund“. Probiere verschiedenste Farben aus und entscheide Dich bewusst für eine Lösung.

14 Fotos ja oder nein

Im letzten Schritt gehe wieder auf Deine Ebenenliste und deaktiviere die beiden Ebenen mit den Fotos. (Lektion 4 – das Kästchen mit dem Haken). Überlege, ob Dir die Fassung mit den Fotos oder ohne Fotos besser gefällt. Entscheide Dich und schließe die Arbeit ab.

SchnippSchnapp

Und wieder gab es eine äußerst wichtige und durchaus komplexe Funktion. So wird es immer ein bisschen komplexer. Aber schauen wir mal auf die künstlerische Seite.

  1. Wie findest Du den Hintergrund für Deine Figuren. Er sollte nur von den Farben her abgestimmt sein, der Rest hatte keine Vorgabe. Passt er soweit? Passt er genau nicht? Oder passt er, weil er genau nicht passt? Was für eine Bedeutung hat der Hintergrund für die Figuren? Wenn Du Dir ganz gezielt hättest einen Hintergrund überlegen können, wie würde der aussehen???

  2. Bei der Umsetzung der Figuren war plötzlich Deine zeichnerische Leistung mehr gefragt als einfach die Funktion des Programms. Wie sind Dir die Figuren gelungen? Was hättest Du im Nachhinein anders gemacht?

Das könntest Du übrigens immer noch tun. Dupliziere Deine Arbeit, und verändere in Deinem Duplikat die eine oder andere Ebene oder tausche sie womöglich komplett aus!

  1. Wo liegt für Dich die Gefahr, wenn Du Fotos übermalst?

Gut gemacht! Weiter so! Habe eine wunderbare Woche – Stephan